đ§Źđ§ Tryptophan, Kynurenin, Mikrobiom & Schizophrenie
9.1.2026
Wie Immunaktivierung den Stoffwechsel umlenkt â und warum Herz-Kreislauf-KomorbiditĂ€t dazugehört Ein vertiefender Blogartikel im Kontext von HCIM (Hypothesis Complexus Immunitas Mentis)
đ§ Einleitung: Ein Stoffwechselweg mit Systemwirkung
Der TryptophanâKynurenin-Stoffwechselweg ist einer der zentralen biochemischen Knotenpunkte zwischen Mikrobiom, Immunsystem, Gehirn und GefĂ€Ăen. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass seine Fehlregulation bei Schizophrenie nicht nur neuropsychiatrische Symptome beeinflusst, sondern auch systemische EntzĂŒndungs- und GefĂ€Ăprozesse antreibt.
HCIM ordnet diesen Weg als Scharniermechanismus ein:
Immunaktivierung wird ĂŒber Tryptophan in Neurochemie, Epigenetik und Organbelastung ĂŒbersetzt.
đ§Ș 1. Tryptophan: Mehr als ein Serotonin-Baustein
Tryptophan ist eine essenzielle AminosÀure mit mehreren Stoffwechselpfaden:
Serotonin-/Melatonin-Pfad (Stimmung, Schlaf)
Indol-Pfad (mikrobiell, Darmbarriere, AhR-Signalgebung)
Kynurenin-Pfad (Immun- & Neuroregulation)
Bei chronischer EntzĂŒndung wird Tryptophan bevorzugt in den Kynurenin-Pfad umgeleitet â zulasten von Serotonin.
đ Auslöser:
Zytokine (v. a. IFN-γ, TNF-α)
Aktivierung der Enzyme IDO und TDO
đŠ 2. Die Rolle des Mikrobioms: Steuerung und VerstĂ€rkung
Das Darmmikrobiom beeinflusst den Tryptophan-Stoffwechsel auf mehreren Ebenen:
Direkter Abbau von Tryptophan zu Indolen
Modulation der IDO-AktivitĂ€t ĂŒber Immunreize
Beeinflussung der Darmbarriere (Endotoxinlast)
Eine Dysbiose kann:
die VerfĂŒgbarkeit von Tryptophan verĂ€ndern
die Umleitung in Kynurenin verstÀrken
epigenetische Programme in Immunzellen aktivieren
đ HCIM spricht hier von einer metabolisch-immunologischen Schleife.
đŹ 3. Kynurenin & Neurobiologie bei Schizophrenie
Der Kynurenin-Pfad erzeugt mehrere neuroaktive Metabolite:
KynureninsÀure (KYNA)
â NMDA-Antagonist
â hemmt Glutamat-Signalgebung
3-Hydroxykynurenin & Quinolinat
â pro-oxidativ
â neurotoxisch in hohen Konzentrationen
Bei Schizophrenie wurden beobachtet:
erhöhte KYNA-Spiegel im Gehirn
verÀnderte NMDA-AktivitÀt
Störungen von Kognition und Wahrnehmung
âĄïž Immunaktivierung wird Neurotransmitter-Dysbalance.
𧏠4. Epigenetik: Das GedÀchtnis des Kynureninwegs
Kynurenin-Metabolite wirken nicht nur akut, sondern epigenetisch:
Beeinflussung der Histonacetylierung
Regulation entzĂŒndungsrelevanter Gene
langfristige Fixierung eines âAlarmzustandsâ
HCIM interpretiert dies als:
epigenetische Chronifizierung einer ursprĂŒnglich adaptiven Immunreaktion
â€ïž 5. KardiovaskulĂ€re KomorbiditĂ€t: Der ĂŒbersehene Teil
Menschen mit Schizophrenie haben:
deutlich erhöhtes Risiko fĂŒr
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
verkĂŒrzte Lebenserwartung â hauptsĂ€chlich durch kardiovaskulĂ€re Ursachen
Der Kynurenin-Pfad ist hier ein biologischer Vermittler:
Mechanismen:
Kynurenin fördert Endothelfunktion-Störungen
chronische EntzĂŒndung â GefĂ€Ăsteifigkeit
oxidative Metabolite â Atherosklerose-Progression
Studien zeigen:
erhöhte Kynurenin/Tryptophan-Ratio bei kardiovaskulÀren Erkrankungen
Zusammenhang mit EntzĂŒndungsmarkern und MortalitĂ€t
âĄïž Psychiatrische und kardiovaskulĂ€re Pathologie teilen denselben Stoffwechselweg.
đ 6. HCIM: Schizophrenie als systemische Stoffwechsel-Immun-Erkrankung
HCIM verbindet diese Ebenen zu einem konsistenten Modell:
Dysbiose & Infekte
Chronische Immunaktivierung
Umleitung von Tryptophan â Kynurenin
Neurotransmitter- & Epigenetik-Verschiebung
BewusstseinsverĂ€nderung und GefĂ€Ăbelastung
đ Psychose und Herz-Kreislauf-Risiko sind keine getrennten Probleme, sondern zwei Ausdrucksformen derselben Systemdysregulation.
đ 7. Therapeutische Implikationen (HCIM-Perspektive)
HCIM leitet daraus keine Monotherapie ab, sondern eine mehrdimensionale Strategie:
Stabilisierung (Medikation als Schutz)
Immunberuhigung (Stress, Schlaf, EntzĂŒndung)
Darmfokus (VertrĂ€glichkeit, RegelmĂ€Ăigkeit)
Langfristige Stoffwechsel-Rekalibrierung
kardiovaskulÀre PrÀvention als integraler Bestandteil
Wichtig:
Die Reduktion kardiovaskulÀrer Risiken ist auch eine neuropsychiatrische Intervention.
đ§Ÿ Fazit
Der TryptophanâKynurenin-Stoffwechsel ist ein zentrales Bindeglied zwischen Mikrobiom, Immunsystem, Epigenetik, Gehirn und Herz-Kreislauf-System. Bei Schizophrenie zeigt sich hier eine systemische Fehlsteuerung, die weit ĂŒber das Gehirn hinausreicht.
HCIM versteht Schizophrenie deshalb nicht isoliert,
sondern als systemische EntzĂŒndungs- und Stoffwechselerkrankung mit Bewusstseinsfolgen.